So, wenn ihr schon einmal hier vorbei schaut, dann will ich euch mal von meinem aufregendsten Ereignis berichten.

 

Also - eigentlich gefiel mir das ja ganz gut in meinem schönen warmen Zuhause, unterhalb Mamas Herzen. Immer schön warm, lecker zu Essen und zu Trinken und bei allen noch so intimen Gesprächen darf ich Mäuschen spielen... Aber ich muss gestehen, ein bisschen eng ist es da nach einiger Zeit schon geworden, zumal Mama auch nicht wirklich viel dafür getan hat, dass ich ein bisschen mehr Platz bekomme. Wie soll man(n) da seine Freiheit ausleben. Naja, vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen, dachte ich mir in der Nacht auf den 13. Juni und hab einfach mal mit meinen spitzen Fingerchen an dieser komischen Haut rumgebohrt, die meinen Horizont so einengt...

Scheeeeiiißßßßeeeeee!!!! Mit einem mal liege ich halb im Trockenen. Hab wohl ein bisschen viel herumgestochert. Mist, ich will doch gar nicht  am 13. Geburtstag haben. Wie bekomme ich das denn jetzt hin, denke ich noch bei mir, als Mutti auch noch den Papa um 4 Uhr morgens aus dem Bett geschmissen hat. Ob der wohl sauer ist, dass er Samstag nicht ausschlafen darf.

 

Naja, egal, jetzt musste ich erst mal alles daran setzen, dass ich bis Sonntag noch hier drin bleibe... Obwohl die mir im Krankenhaus es ja auch nicht gerade einfach machen. Werfen die der Mutti auch noch so komische Pillen ein, dass der Bauch anfängt noch enger zu werden und Papi scheucht uns auch noch dreimal ums Krankenhaus und dann die Treppe bis in den 12 Stock hoch. Ich könnte kotzen. Aber was ein richtiger Mann ist, der weiß wie es gemacht wird und mit Muttis Hilfe bekomme ich das schon hin, dass ich doch noch ein Sonntagskind werde. Und dann hat das ja auch noch ganz gut geklappt und so gegen kurz vor 2 Uhr am Sonntagmorgen habe ich dann gesagt: Na gut...... ich mach´s.....ich schaue aber erst mal, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt... Also Mutti dann press mal schön, denke ich noch so und dann fängt da auch noch einer an von draußen zu drücken und mir am Kopf rumzuzerren... Hey, das tut weh... Ich hab doch schon einen Schädel wie ein Bahnhof, von diesem Rumgehampele den ganzen Tag... Wer gibt mir denn jetzt mal eine Aspirin?

Schwups, schon ist's geschehen... Hat sich nicht gelohnt, ich wusste es, aber jetzt ist es zu spät. Bedauerlicherweise hat man mir den Rückweg versperrt, ich muss also irgendwie mit dieser neuen Situation klarkommen. Ich will mich ja nicht beklagen, aber hier dürfte die Heizung nicht funktionieren, kann vielleicht jemand einen Installateur holen, oder wenigstens eine Decke? Die Farbe wäre mir egal, aber auch nur mir... Der weiße Kittel auf zwei Beinen schreit nämlich gerade: „Blau! Hurra - es ist ein Junge!“ Was soll das denn, dachte ich. Ich weiß doch selber, dass ich jung bin. Es müsste doch heißen: „Ein Junger“ - ja, so müsste es heißen, denn schließlich bin ich erst ein paar Sekunden alt. Mama? Papa? Wo seid ihr denn? Monatelang habe ich zu hören bekommen, wie sehr ihr euch auf mich freut. Und jetzt, wo ich euch brauche, seid ihr nicht da! Verdammt, hier sehen ja alle gleich aus, von oben bis unten blau. Die werden wahrscheinlich geklont sein, das ist in der heutigen Zeit ja kein Problem mehr. Die Begrüßungszeremonie habe ich mir eigentlich anders vorgestellt. Die vielen Scheinwerfer und Spots bei meiner Ankunft finde ich schon okay. Das man mir das Kabel durchschneidet, das lasse ich mir auch noch einreden; obwohl ich zugeben muss, dass damit die Nahrungsaufnahme bisher recht praktisch war, eine ganze Pizza passte da durch - auf Raten versteht sich. Aber, muss man mich wirklich an den Beinen hochheben und mir den Hintern versohlen, ich habe doch gar nichts getan? Ehrlich, ich war's nicht! Wie lange muss ich denn noch hier verkehrt rumhängen? Ich bin doch keine Fledermaus! Oder doch?... Langsam zweifle ich daran, ob ich mich hier wohlfühlen werde. Es ist zum Heulen. Ich schrei mal, vielleicht kommt dann endlich jemand auf die Idee, mich wieder in eine akzeptable Position zu bringen... Super, hat geklappt, jetzt weiß ich wenigstens was ich tun muss, damit man mich nicht völlig ignoriert. Noch immer keine Spur von Mama und Papa. Zumindest sehe ich niemanden, auf den diese Bezeichnung zutreffen könnte. Ein Klon steckt mich in die Badewanne und zieht mich danach mit ungläubigem Blick neben einer Messlatte gleichmäßig in die Länge und schielt anschließend mit noch ungläubigerem Blick auf das Display der Waage.

Mama, endlich, da bist Du ja. Und das bleichgesichtige Etwas, welches der Weißkittel soeben vom Boden aufsammelt... das muss wohl oder übel Papa sein. Nein, nein, nur ein kleiner Scherz, der Papa hat sich wirklich wacker geschlagen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn ihr wüsstet, was ich durchgemacht habe. Langsam fängt mir die Sache an zu gefallen. Ich darf kuscheln, mich nach Herzenslust an der Milchbar bedienen und außerdem hat man mir den Prototypen des neuesten Öko-Schnullers besorgt. Überredet - ich bleibe - aber nur solange man mir das Kommando überlässt. Endlich, der Umzug ist geschafft. Ab jetzt überlasse ich alles weitere Mama und Papa...

Mama? Papa? Wo seid ihr denn schon wieder? Schreeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

Na bitte - klappt ja wie am Schnürchen. *frech grins*
     
       

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